Neubau Kanzleigebäude

Terrasse Innenhof

Aufgabe

Im Jahr 2009 hat das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) einen interdisziplinären Realisierungswettbewerb für das neue Kanzleigebäude der Deutschen Botschaft ausgelobt. Der Entwurf unseres Büros karlundp Architekten, München, wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2014 konnten wir nach einer zwischenzeitlichen Weiterentwicklung des Raumprogrammes mit den Planungen beginnen.

Eine Besonderheit der Planung bestand darin, die hohen Sicherheitsanforderungen an ein Botschaftsgebäude direkt an einer innerstädtischen Hauptverkehrsader zu verwirklichen. Dies erforderte insbesondere im Bereich der Zugänge zum Gebäude, aber auch hinsichtlich der Gestaltung der Straßenfassade spezielle konstruktive und sicherheitstechnische Maßnahmen.

Die geringe Grundfläche des Baugrundstückes, aber auch die zentrale Lage im lebendigen Zentrum der Stadt, waren zudem die bestimmenden Faktoren der Entwurfsidee. Die aufgrund der notwendigen Baumasse nur noch geringen Freiflächen um das Botschaftsgebäude wurden durch differenziert angeordnete Terrassen und Innenhöfe ergänzt. Somit entstand zusätzlicher, intensiv nutzbarer Freiraum.

Veranstaltungsbereich

Planung

Das Planungsteam aus Deutschland und Italien vereinte Expertise aus Architektur, Landschaftsarchitektur und Ingenieurswesen. Örtliche Fachleute ergänzten und erweiterten es zu einem interdisziplinären und Länder übergreifenden Generalplanerteam.

Insbesondere die speziellen genehmigungsrechtlichen Fragestellungen ließen sich dadurch lösen. Und auch die westeuropäischen Standards vor allem bei den technischen und funktionalen Anforderungen an die Sicherheit des Botschaftsgebäudes konnten so mit örtlichen Firmen und Handwerksbetrieben umgesetzt werden.

Nach einer intensiven Planungs- und Genehmigungsphase begannen im September 2017 die Bauarbeiten, die Ende Oktober 2020 mit der Übergabe des fertigen Gebäudes an die Deutsche Botschaft abgeschlossen wurden.

Foyer

Idee

Als erstes fällt der Blick auf den klaren, ruhigen Baukörper. Seine geometrische Linienführung übernimmt die städtebauliche Grundhaltung der Umgebung und führt diese harmonisch weiter.

Das Kanzleigebäude verfügt über zwei separate Eingänge, die von einer gemeinsamen Pforte kontrolliert werden. Der östliche Eingang erschließt das eigentliche Kanzleigebäude mit allen Räumlichkeiten der Verwaltung und des Botschafters. Der westliche Zugang dient für die Kunden der Pass- und Visastelle. Die Fahrzeuge des Botschaftsbetriebes können das Gelände  und die im Untergeschoss gelegene Garage über eine Zufahrtsschleuse erreichen.

Visastelle

Farbe

Die Fassade besteht aus regionalem, fast weissen Travertin aus Serbien und nimmt damit Bezug auf den Namen der Stadt und seiner Bewohner:  Belgrad – Weisse Stadt.

Büros und Arbeitsplätze der Beschäftigten orientieren sich weitestgehend hin zu den begrünten Freiflächen, aber auch zum Garten der östlich benachbarten Botschaft von Myanmar.

Der Bereich der Kanzlei wird über ein großzügiges Foyer mit Treppenaufgang und einem Lichtraum über alle Geschosse erschlossen.

Die Materialien der Fassade bestimmen auch die Farbigkeit im Inneren des Gebäudes. Beispielsweise sind die Böden der Verkehrsflächen vom hellen Travertin geprägt. Die Wandflächen des inneren Kernbereiches aus Nussbaumholz gehen im Eingangsbereich nahtlos in die bronzefarbene Fassadenverkleidung der Pforte über.

Der Innenhof wird mit einer begrünten Fassade von Einblicken abgeschirmt und formt so einen introvertierten Ruhebereich. Auch die Räume des Botschafters orientieren sich zu einer weiteren ruhigen und grünen Terrassenfläche.

Foyer

Mitte

Das große Foyer im 1. Obergeschoss dient als Treffpunkt und Veranstaltungsbereich innerhalb der Kanzlei. Diese Gemeinschaftsfläche lässt sich zu zwei angrenzenden Freibereichen öffnen und erweitern. Außen- und Innenbereich verschmelzen dadurch zu einem abwechslungsreichen Raumgefüge. Die nördliche Terrasse bietet einen weiten Blick über die Stadt hin bis zum Flußufer der Save und den dort gerade entstehenden Neubauten.

Die Verbindung von äußerer und innerer Gestaltung wird auch bei der nach Westen orientierten begrünten Wand zum zentralen Innenhof sichtbar. Diese Fläche wirkt als prägnanter Kontrast zur hellen Natursteinfassade und verdeutlicht die Besonderheit des Bauwerkes auch in die Stadt hinaus: Sie lässt einen scheinbaren Blick in das durch Grün und Pflanzen geprägte Innere der Botschaft zu und hebt sich damit von der ansonsten geschlossenen Häuserfront an der Ulica Kneza Miloša ab

Detail begrünte Wand

Die grüne Wand

Das Kanzleigebäude der deutschen Botschaft wird im Inneren durch den spannenden Dialog zwischen grüner Wand und weißer Fassade geprägt. Symbolisiert der Bewuchs mit Bäumen und Sträuchern das Gastland aus dem Norden, so spiegelt der weiße Travertin  die besondere Tradition des Gastgebers und insbesondere der Stadt Belgrad wider. Im Innenhof treffen sich die beiden Länder und bilden mit dem farblichen und von den Materialien geprägten Spannungsbogen eine besondere Harmonie.

Inmitten der hektischen Atmosphäre der lebendigen Metropole herrschen hier Ruhe, Besinnlichkeit und Kontemplation. Der zeitweilige Aufenthalt, der tägliche Blick, der mögliche Treffpunkt sind dabei besondere Qualitäten für Mitarbeiter und Gäste der Botschaft.

2014-2020

Wettbewerb 2009, 1. Preis

Auftraggeberin: Bundesrepublik Deutschland vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Berlin/Bonn

Generalplaner: karlundp

Projektleitung: Almut Bodmann

Mitarbeit: María Judith Delgado Hernández, Larissa Ellrodt, Eva Faulhaber, Sebastian Lerch, Theresa Mörz, Florian Natto, Benjamin Neumeier

Visualisierung: Luis Gutiérrez Sagüillo

BGF: 5.054,25 m²
BRI: 20.005,70 m³

Neubau Kanzleigebäude
Visualisierung in der Planungsphase
Veranstaltungsbereich
Terrasse
Treppenaufgang
Fassade